Farmarbeit in Australien
Um unsere 88 Tage hier in Australien abzuarbeiten und uns damit für ein zweites Jahr Australien zu qualifizieren, arbeiten wir für drei Monate auf einer Gemüse- und Hühnerfarm in
Koo Wee Rup, Victoria.
Goodbye Farm – Hello Freedom! ✨
Wir sind zurück!! Und das stolzer than ever!! Lange haben wir nichts von uns hören lassen – aber endlich gibt’s gute Neuigkeiten: Wir haben die Farm mittlerweile verlassen! Nach dreieinhalb intensiven, herausfordernden, aber auch lehrreichen Monaten hieß es Abschied nehmen von unserem kleinen Farmleben in Koo Wee Rup. Eigentlich wollten wir unseren Roadtrip schon am 21. Oktober starten, doch wie so oft im Leben kam es anders. Unser Farmer Paul stand plötzlich ohne Personal da und ganz ehrlich: Wir konnten ihn einfach nicht hängen lassen. Also haben wir noch eine Woche drangehängt. Eine anstrengende Woche, ja, aber rückblickend war sie es absolut wert! Nicht nur, weil wir Paul und der Farm eine große Hilfe waren, sondern auch, weil sich die Extra-Arbeit am Ende buchstäblich bezahlt gemacht hat – der Diesel für unseren ersten großen Roadtrip ist damit nämlich schon mal gesichert.
Jetzt erstmal ein kleiner Rückblick auf unsere letzten Wochen auf der Farm:
Für unsere Abschiedswoche durften Max und ich noch zwei eigene Märkte übernehmen und was sollen wir sagen: Wir haben mal wieder abgeliefert! 💪 Apropos abliefern – Max hat während seiner Zeit auf der Farm tatsächlich einen Umsatzrekord aufgestellt. Und weil wir jetzt offiziell nicht mehr dort arbeiten (also quasi off the record ), können wir’s euch verraten: Zum ersten Mal in der Geschichte der Farm hat er auf einem Zwei-Personen-Markt ganze 7.000 AUD Umsatz gemacht. Unser Chef war völlig sprachlos. Max ist und bleibt halt einfach ein absolutes Sales-Genie. Ihr habt uns außerdem so oft gefragt, was wir auf der Farm eigentlich verdient haben.
Also – Butter bei die Fische: für die Arbeit – einen DRECK! Schwache 25 Dollar die Stunde, und das brutto. Nach Steuerabzug blieben uns vielleicht 23 Dollar, also rund 13 Euro die Stunde. Wie oft haben wir darüber nachgedacht zu kündigen? Oft! Aber wir haben die Herausforderung jeden Tag aufs Neue angenommen und gemeinsam gemeistert. Unsere Priorität lag nicht beim Geld, sondern bei den 88 Tagen, die wir für das zweite Jahr in Australien brauchen. Wir sind absolut stolz auf uns, dass wir durchgehalten haben – trotz Wind, Regen, Muskelkater und endloser frustrierender Arbeitstage.
Was wir während dieser Zeit gelernt haben? So einiges. Der Job hat uns geerdet, uns so oft aus unserer Komfortzone geschubst, dass wir irgendwann gelernt haben, uns darin zurechtzufinden. Wir haben so viele neue Skills gelernt (Gemüse ernten, Leute!!! Max hat mir das Traktorfahren beigebracht!! und natürlich vieles vieles mehr). Wir haben gelernt, das Wetter zu nehmen, wie es kommt und zu akzeptieren, dass wir darauf keinen Einfluss haben. Wir haben gelernt, niemals den Humor zu verlieren, egal, wie müde oder erschöpft wir waren. Vor allem haben wir gelernt mit schwierigen Menschen umzugehen – unser Chef war nicht immer einfach. Ein toxisches Arbeitsumfeld, viel Stress, Schuldzuweisungen für Fehler, die wir gar nicht gemacht haben, oftmals kein offenes Ohr, konstanter Druck, selbst nach zehn Stunden noch 100 % zu geben und vieles mehr. Wir wollen uns absolut nicht beschweren, aber das war drei Monate lang unsere Realität. Und trotzdem – oder gerade deswegen – hat uns diese Zeit extrem wachsen lassen. Sie hat uns stärker gemacht, geduldiger und vor allem dankbarer für all die kleinen Dinge, die man sonst viel zu oft übersieht. Der Abschied war emotionaler, als wir erwartet hatten. Wir haben so viele tolle Menschen aus aller Welt kennengelernt, Freundschaften geschlossen und Erinnerungen gesammelt, die wir nie vergessen werden. Von Herzen können wir sagen: Wir werden auf dieser Farm eine große Lücke hinterlassen. Besonders der Abschied von Bella, dem Farmhund, fiel uns sehr schwer – da sind uns tatsächlich ein paar Tränen gekommen.
Jetzt aber beginnt ein neues Kapitel – ein neues Abenteuer.
Wir freuen uns riesig auf das, was kommt und morgen erscheint schon der nächste Blogeintrag mit allen Infos, wie es für uns weitergeht – versprochen!
Zum Schluss möchten wir einfach nur Danke sagen: an alle, die uns in dieser Zeit begleitet, aufgemuntert und motiviert haben, durchzuhalten. Ihr seid großartig 🫶🏼🧡
‼️ Big News aus Down Under - Wir haben ein Auto gekauft & unsere 88 Tage absolviert!
Lange war es hier still – nicht, weil nichts passiert ist, sondern weil sich unser Alltag in den letzten Wochen so sehr eingependelt hat, dass es kaum echte Neuigkeiten gab. Farmarbeit, Routinen, Alltag im Arbeitsleben… es war eine intensive, aber auch ziemlich gleichförmige Zeit. Doch jetzt ist alles anders. Jetzt haben wir richtig große Neuigkeiten, die ein Blogeintrag definitiv wert sind! Viele von euch haben es wahrscheinlich schon durch uns persönlich oder auf Social Media mitbekommen: Wir haben ein Auto gekauft! Dürfen wir vorstellen: Hugo, unser eigener Nissan Pathfinder 2,5 Turbo Diesel – treuer Reisebegleiter für das nächste große Kapitel unserer Reise. Gemeinsam mit Hugo wollen wir Australien auf eigene Faust entdecken und uns auf den Roadtrip unseres Lebens begeben.
Wir haben Hugo in den letzten Wochen voller Vorfreude ausgestattet: Dachzelt, Camping-Equipment, Stauraum – alles, was wir für das Leben „on the road“ brauchen. Max hat sich sogar neue Elektro-Skills angeeignet (wer braucht schon YouTube-Tutorials, wenn man Max hat 😄) und zusätzliche Kabel verbaut, damit wir unseren Kühlschrank im Kofferraum anschließen können. Ganz ehrlich? Max kann einfach alles. Ein echter Allrounder – ein Traum! Gekauft haben wir Hugo übrigens von einer älteren Dame, dessen Mann vor ein paar Wochen verstorben ist. Sie wollte den Wagen in gute Hände geben – und wir haben sofort gespürt: das passt. Sollte wohl so sein, dass unsere Wege sich gekreuzt haben, wenn auch aufgrund etwas trauriger Umstände. Inzwischen ist Hugo offiziell auf uns angemeldet, hat vier neue Reifen, einen frischen Service-Check hinter sich und ist fast startklar.
Als wäre das nicht aufregend genug, steht bei uns gerade ein weiterer riesiger Meilenstein an:
Heute haben wir endlich unsere 88 Tage Farmarbeit absolviert und uns dadurch für ein zweites Jahr Visum in Australien qualifiziert - wenn wir das dann wollen. Wir sind mittlerweile so realistisch eingestellt, dass wir wissen wie schnell Pläne sich ändern können, aber dennoch besteht die Möglichkeit nun auf ein zweites Jahr. Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist. Wir haben es wirklich durchgezogen. Am Anfang waren wir uns nicht so sicher, ob wir die drei Monate Farmarbeit und die Umstände hier durchstehen. Drei Monate Farmarbeit, unzählige neue Erfahrungen, körperlich wie mental herausfordernd – und wir sind so stolz auf uns. Diese Zeit hat uns geprägt, verändert und uns nochmals über uns selbst hinauswachsen lassen. (Dazu gibt’s bald noch einen eigenen Blogeintrag – versprochen! Dann enthüllen wir alle dreckigen Wahrheiten unserer Farmerfahrung😁) Auch wenn wir unsere 88 Tage absolviert haben, sind wir noch nicht ganz durch auf der Farm hier. Wir arbeiten die Woche noch bis Sonntag zu Ende. Louisa hängt dann anschließend noch eine Woche dran, um ihre krankheitsbedingte Auszeit nachzuholen, während Max ganz normal weiterarbeitet die Woche und ein bisschen Extra-Geld für unser Abenteuer verdient.
Am Dienstag, den 21.Oktober starten wir dann offiziell in unser Roadtrip-Aben(d)teuer.
Die Route verraten wir euch ganz bald… also stay tuned, es wird sehr spannend! 🇦🇺✨
Sieben Wochen Farmleben und ein ganz besonderer Geburtstag liegen hinter uns
Viel ist passiert in den letzten Wochen – so viel, dass wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen. Mittlerweile haben wir schon mehr als die Hälfte unserer 88 Tage Farmarbeit geschafft, genau gesagt Tag 58 von 88. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht, oder? Wir sind mittlerweile so sehr in den Abläufen drin, dass Paul, unser Chef, uns sogar einen eigenen Markt übertragen hat. Bisher sind wir immer nur getrennt voneinander als Hilfe auf die Märkte mitgefahren - jetzt durften wir unseren eigenen Markt leiten - eine Premiere.
Vor zwei Wochen war es soweit – unser erster Markt in Eigenregie. Morgens um 6 geht’s los: Unseren Stellplatz finden, Zelte aufbauen, den Anhänger ausräumen, Gemüse in Körbe füllen und alles schön herrichten. Am Ende haben wir ein Setup, dass sich sehen lassen kann und auf das wir richtig stolz sind. Der Tag läuft perfekt. Wir wechseln uns ab zwischen Kasse und Gemüse auffüllen, sodass es nie langweilig wird. Der Vormittag verfliegt. Zurück im Auto, alles wieder eingepackt, Kasse gezählt – und was sollen wir sagen? Wir haben den Markt so richtig gerockt! Damit ihr mal eine Vorstellung bekommt, wie so ein Markt aus Verkäuferperspektive aussieht: Unser Target, also das Ziel, lag bei 4.750 AUD. Natürlich erreicht man das Ziel nicht immer. Viele verschiedene Faktoren wie das Wetter, Ferienzeiten oder Feiertage und die allgemeine Stimmung der Menschen spielen dabei natürlich eine entscheidende Rolle. Während unser Target als bei $4750 liegt, haben wir ganze 5.100 AUD Umsatz gemacht! Paul, unser Chef, war super happy, aber das Schönste für uns war die Erkenntnis: Wir sind nicht nur privat ein großartiges Team, sondern auch beruflich ein absolutes Traumpaar. Paul meinte sogar, wir sollten später ein Familienunternehmen gründen. Wer weiß – vielleicht steckt da ja mehr Wahrheit drin, als wir jetzt ahnen.
Die Wochen auf der Farm laufen ansonsten ähnlich wie zuvor – nur dass wir jeden Tag aufs Neue über uns hinauswachsen. Wir lernen uns gegenseitig von ganz neuen Seiten kennen, sind dankbar für jede Erfahrung und merken, wie stark wir gemeinsam sind. Max fährt mittlerweile nicht mehr nur den "kleinen" Traktor, sondern darf mit dem großen Traktor über die Felder pesen. Hier in Australien läuft das alles ein bisschen anders ab und wird anscheinend nicht so ernst genommen - eher nach dem Motto: "Biste schonmal so'n Ding da gefahren?" Ne. "Kannste das denn?" Ja wahrscheinlich. "Okay, zeig mal her!" Max setzt sich drauf und fährt los. "Ja super, alles klar, dann fahr mal weiter. Super!" Auch wenn Max keinen Traktorführerschein hat, fährt er den Jonny mit Exzellenz, als hätte er nie was anderes gemacht. 🚜👨🏼🌾
Ein besonderes Highlight der letzten Woche: Louisas 30. Geburtstag. Und wie schön, dass dieser große Tag auf einen Dienstag fällt – unser freier Tag. Keine Hühnereier sammeln, kein Regen auf dem Feld, sondern einfach nur genießen. Max hat sich dafür etwas ganz Besonderes einfallen lassen und Louisa mit einem Kurztrip überrascht. Nach einem entspannten Vormittag fahren wir los, Kaffee unterwegs, ein neues Buch für Louisa und dann das erste Ziel: eine luxuriöse Unterkunft mitten auf einem Golfplatz – das komplette Gegenteil von unserem Farmhaus. Überraschung definitiv gelungen! Wir genießen das riesige King Size Bett und das traumhafte Badezimmer, dass wir ausnahmsweise mal ganz für uns haben. Für die meisten absolut selbstverständlich - für uns aktuell ein absoluter Traum 😁 Das ist allerdings nur der Anfang. Weiter geht’s zu den Peninsula Hot Springs, einem riesigen Wellnessparadies mit über 50 verschiedenen Pools und Saunen. Heiße Quellen, Dampfbäder, Thermalpools mitten in der Natur – Entspannung pur! Wir verbringen den ganzen Nachmittag dort, schweben fast wie auf Wolken zurück in die Unterkunft, öffnen eine Flasche Wein aus der Region und stoßen schon mal auf Louisas 30. an.
Jetzt kommt eine kleine Anekdote, die wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen: Zehn Minuten vor Mitternacht schickt Max mich nach draußen, um „etwas vorzubereiten“. Ich nutzte also die Zeit, um tief durchzuatmen, meine 20er zu reflektieren, diese Revue passieren zu lassen und mich innerlich von den 20ern zu verabschieden. Punkt Mitternacht ruft meine Mama an – wie schön, die erste Gratulation von der Person zu bekommen, die mich auf die Welt gebracht hat. Kurz danach steht Max in der Tür und holt mich zurück ins Zimmer – dabei stolpere ich in ein kleines Chaos: halb aufgeblasene Ballons auf dem Boden verstreut, ein Geburtstagskuchen mit Geburtstagskerzen, die Max vor meinen Augen auspustet und die so vor sich hin qualmen und on top ein völlig gestresster Max, der monoton „Happy Birthday“ sagt. Das Geburtstags-Schild auf dem Kuchen hatte Feuer gefangen, fast wäre der Rauchmelder losgegangen! Das ganze Zimmer hat nach Rauch gerochen. Meine Worte zu Max: "Das war das traurigste happy Birthday, das ich jemals bekommen habe - so starte ich nicht in meine Dreißiger! Noch mal von vorne!" Am Ende blasen wir also gemeinsam die Ballons auf, zünden die Kerzen wieder an, ignorieren das abgefackelte Holzschild, feiern trotzdem und lachen aus vollem Herzen – so, wie wir es eben immer machen: als Team.Wir lachen heute noch Tränen, wenn wir daran denken.
Am Morgen folgt die nächste Überraschung: Max überreicht mir ein iPad mit einem Video voller kleiner Videobotschaften von Familie und Freunden – Tränen garantiert. Das ist die Kehrseite am Reisen: an so einem besonderen Tag nicht mit seinen Liebsten zusammen sein zu können, aber diese Überraschung hat alles wettgemacht. Nach einem Geburtstagsfrühstück auf dem Golfplatz geht es an die Küste – traumhafte Sicht auf den Pazifik – und weiter zu einer Auffangstation für Kängurus und Koalas. Zum ersten Mal sehen wir diese Tiere in echt, dürfen sie sogar füttern. Ein riesiger Streichelzoo, eine Erfahrung, die wir so schnell nicht vergessen werden. Abends essen wir beim Thailänder, vermissen unsere Zeit in Thailand ein wenig und zurück auf der Farm überraschen unsere Mitbewohner mich noch mit Kuchen und Deko. Was für zwei wunderschöne Tage!
Umso härter fällt der Kontrast zurück in den Alltag: Regen, Hagel, matschige Felder – Max arbeitet Mittwoch in dem schlimmsten Wetter, während ich mir ein paar Tage Auszeit nehmen muss, um meinen Körper zu schonen. Die Arbeit hier ist einfach brutal anstrengend, Regeneration fast unmöglich. Aber langsam geht es bergauf und ab morgen steige ich auch wieder ein. Noch fünf Wochen liegen vor uns – fünf Wochen voller Arbeit, voller wertvoller Erfahrungen und sicherlich auch voller Herausforderungen. Aber wir sind fest entschlossen, das durchzuziehen. Wir rocken auch noch den Rest! Drückt uns die Daumen! 🍀👩🏻🌾👨🏼🌾
Vier Wochen Farmleben in Koo Wee Rup – Wir haben uns eingelebt
Nachdem die erste Woche wirklich hart war, haben wir uns mittlerweile gut auf der Farm eingelebt. Wir haben eine feste Routine gefunden, die Tage sind zwar weiterhin lang und körperlich anstrengend, aber wir wissen jetzt, was uns erwartet. Gleich zu Beginn haben wir das ganze Haus einmal gründlich geputzt – inzwischen kann man sich richtig wohlfühlen. Fuko und Kei, das japanische Backpackerpaar, mit dem wir unser Haus geteilt haben, sind inzwischen ausgezogen, weil ihre Zeit auf der Farm vorbei ist. Seitdem leben wir nur noch zu dritt, mit Hans aus Estland, und wir verstehen uns super. Die Woche läuft inzwischen in festen Bahnen ab: Mittwochs und donnerstags sind wir auf der Gemüsefarm, wo wir pflanzen, Unkraut jäten und ernten. Harte Arbeit, aber zum Glück nur zwei Tage pro Woche. Nach unseren Tagen auf der Gemüsefarm sehen wir aus .... Dreck im Gesicht ohne Ende, aber das macht uns absolut nichts aus. Freitags arbeiten wir auf der Farm, auf der wir auch wohnen: Gemüseboxen packen, LKWs beladen und alles für die Wochenmärkte an den Wochenenden vorbereiten. Samstags heißt es für uns immer sehr früh raus – um 4:45 Uhr, wenn es noch stockdunkel ist und die Luft klirrend kalt, sitzen wir im Truck Richtung Markt, um dort das Gemüse und die Eier der Farm zu verkaufen. Auf dem Markt angekommen, verwandelt sich alles in eine kleine Choreografie, die wir mittlerweile gut beherrschen: Zelte aufbauen, Tische ausladen, Gemüse so arrangieren, dass es aussieht wie auf dem Titelblatt eines Kochmagazins. Die Kunden schlendern vorbei, probieren, fragen nach den Preisen – und wir dürfen mit Stolz sagen: „Den Brokkoli hier haben wir selbst geerntet.“ Es ist bunt, aufregend und harmonievoll – und wir lieben es. Ab und zu treffen wir immer wieder auf deutsche Familien, die nach Australien ausgewandert sind. Fühlt sich an wie ein Stückchen Heimat und doch ist der Wechsel ins Deutsche nicht immer ganz einfach. Da entsteht mal das ein oder andere "Denglische" Wort. Während die anderen Backpacker auf der Farm arbeiten, ist der Samstagsmarkt für uns mittlerweile einer der besten Teile unserer Woche geworden. Uns gefällt die Atmosphäre, der Kontakt mit den Leuten und das Gefühl, die eigenen Produkte anzubieten. Paul, unser Chef, ist mittlerweile so begeistert von uns, dass er uns in zwei Wochen auf unseren eigenen Markt schicken möchte - ist das cool?! Louisa & Maximilian machen die Farmers-Märkte unsicher. Eine große Ehre für uns! Sonntags starten wir schon um 6 Uhr und arbeiten bis 17 Uhr – ein richtig langer Tag. Neben dem erneuten Packen von Gemüseboxen übernimmt Max meistens die Auslieferung. Außerdem heißt es sonntags für uns: Hühner füttern und Eier sammeln. Zugegeben, nicht unsere Lieblingsaufgabe – zwischen der Lautstärke, den Gummistiefeln voll Hühnerkacke und den pickenden Hühnern an Beinen und Armen kann es schon ziemlich chaotisch werden. Meistens kommen wir dann am Ende auf 900–1000 Eier, die wir sammeln. Ein echtes Highlight hier auf der Farm: Maximilian darf mittlerweile sogar Traktor fahren - als erster Backpacker der Farmgeschichte - so sehr vertraut Paul, unser Chef, uns. Maximilian fährt den Traktor übrigens als hätte er nie was anderes gemacht. Vielleicht wird er ja doch nochmal Farmer... 😁
Letzte Woche hatten wir übrigens einen echten Schockmoment: An unserem freien Tag wollten wir einen kleinen Spaziergang über die Farm machen und zu den Hühnern laufen. Dafür mussten wir durch relativ hohes Gras gehen. Da aktuell Winter ist, hatten wir nicht mit Schlangen gerechnet – die sieht man hier normalerweise nur im Sommer. Dabei ist die Gegend bekannt für ihre hochgiftigen Brown Snakes, die zweitgiftigste Schlange der Welt. Wir laufen also nichtsahnend Richtung Hühnerwiese, als Louisa plötzlich hochspringt – sie ist mitten im Gras fast auf eine Brown Snake getreten! Die Schlange hat sich genauso erschreckt wie wir und ist blitzschnell in die andere Richtung verschwunden. Zum Glück! Seitdem achten wir penibel darauf, nicht mehr durchs hohe Gras zu laufen, schauen genau, wo wir hintreten und auf der Farm tragen wir jetzt nur noch Gummistiefel. Unsere Nachbarn sind übrigens auch sehr nett: Stefan und Robin, ein älteres Ehepaar im Ruhestand. Wir verstehen uns richtig gut mit ihnen, besonders zu Stefan haben wir eine besondere Verbindung – er ist nämlich Deutscher und seit 55 Jahren in Australien. Seine Frau Robin ist unglaublich liebenswert und kümmert sich hier um die Ziegen auf der Farm. Louisa geht ab und zu mit, um die Ziegen zu füttern – eine willkommene Abwechslung vom Gemüse und den Hühnern. Mittlerweile haben wir hier nicht nur eine richtige Bindung zu diversen Tieren aufgebaut, sondern auch eine bestimmte Leidenschaft für Tiere entwickelt. Ob es der Farmhund Bella ist oder die beiden Katzen Willow und Jimmy, kleine Kuscheleinheiten gibt es jeden Tag. Willow wohnt bei uns mit im Haus und würde am liebsten jede Nacht mit bei uns im Bett schlafen. Wir entdecken immer wieder neue Seiten an uns und könnten uns diese Farm ohne die ganzen Tiere gar nicht mehr vorstellen.
Heute nutzen wir unseren freien Tag und haben den australischen Führerschein beantragt. Der kommt in den nächsten zwei Wochen und da wir länger als sechs Monate in Australien bleiben, ist das Pflicht. Nachmittags genießen wir das traumhafte Wetter am Strand in der Nähe von Melbourne. Auf dem Weg zur Führerscheinstelle haben wir sogar den Importeur von Max’ alter Firma in Nordhorn besucht – witzigerweise lebt er nur 30 Kilometer von unserer Farm entfernt. Wir haben zusammen Kaffee getrunken und mal wieder festgestellt, was für verrückte Zufälle das Leben manchmal so bereithält. Wir treffen uns in naher Zukunft auf jeden Fall noch mal.
Von den 88 vorgeschriebenen Tagen Farmarbeit haben wir jetzt schon 30 absolviert – Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht! Wir können es selber gar nicht glauben. Wir sind jetzt schon seit knapp sechs Wochen in Australien. Noch zwei Monate, dann sind wir mit der Farmarbeit durch und haben uns für ein potenzielles zweites Jahr in Australien qualifiziert. Aber bis dahin fließt noch viel Wasser durch die Vechte – oder den Rhein oder die Ruhr, je nachdem, wer von unseren Liebsten diesen Eintrag gerade liest. 😁
Morgen beginnt die neue Arbeitswoche, allerdings nur für Maximilian. Da Louisa aufgrund der wirklich harten körperlichen Arbeit Rückenprobleme und mit Taubheit in den Armen zu kämpfen hat, setzt sie die nächsten zwei Tage auf der Farm aus und gönnt dem Körper ein bisschen mehr Regeneration als sonst. Hoffentlich sieht die Welt zum Wochenende dann wieder anders aus.
Wir freuen uns riesig, dass ihr uns weiterhin auf unserer Reise begleitet!
Stay tuned! 🚜👩🏻🌾👨🏼🌾🥦
Eine Woche Farmleben in Koo Wee Rup 🌱🚜
Eines steht jetzt, nach einer Woche Farmleben, schon fest: Unser Lotterleben ist vorbei!
Mit dem Bus geht es 1,5 Stunden südöstlich von Melbourne nach Koo Wee Rup, ein kleines australisches Örtchen mit nur rund 4.000 Einwohnern. Die Fahrt ist unkompliziert und ruhig – dennoch sind wir nervös und angespannt und fragen uns, was uns wohl in Koo Wee Rup erwarten wird. Am kleinen Busbahnhof werden wir freundlich von einem Farmmitarbeiter abgeholt und gemeinsam zur Farm gebracht, die nur etwa zehn Minuten vom Zentrum entfernt liegt.
Als wir ankommen, ist es bereits dunkel. Alles wirkt fremd, alt und absolut heruntergekommen. Landleben vermutlich. Die Beleuchtung? Kaum vorhanden. Wir blicken in den Himmel und sind trotzdem sprachlos. Der galaktische Nachthimmel über uns funkelt in unzähligen Sternen. Sternbilder, die wir vorher nur aus Büchern kannten, sind plötzlich ganz nah und mit dem bloßen Auge zu erkennen. Wir beziehen unser Zimmer, teilen das einfache Farmhaus mit Fuko und Kei, einem superlieben japanischen Backpackerpärchen, die bereits seit knapp zwei Monaten auf der Farm arbeiten und ihre letzte Woche absolvieren. Unser Reich? Ein kleines eigenes 7-Quadratmeter-Zimmer. Bad, Küche, Wohnbereich – alles teilen wir. Weil hier teilweise auch die Farmer, die hier auf der Farm leben, ein- und ausgehen, ist es eine große Umstellung sich die Toilette plötzlich mit so vielen Leuten zu teilen. Wir sagten ja bereits, unser Lotterleben ist jetzt wohl endgültig vorbei.
Die erste Nacht auf der Farm ist eher unruhig und verdammt kalt. Wir fühlen uns nicht ganz wohl, weil man keine einzige Tür in diesem Haus, mitten im nirgendwo, abschließen kann 😂 Unsere Regel: Badezimmertür zu - besetzt. Um 6 Uhr morgens klingelt der Wecker und wir starten in unseren ersten Arbeitstag. Frühstück und Mittagessen vorbereiten, warm anziehen und mental auf einen Tag voller körperlicher Arbeit einstellen. Um 7:20 fahren wir mit einem Auto, das wir von der Farm gestellt bekommen, zur Gemüsefarm – rund 20 Minuten entfernt.
Dort lernen wir erst einmal das Team kennen: ein paar andere Backpacker und vier festangestellte Farmer. Mittwochs ist Erntetag, oder Harvest Day, wie wir hier sagen. Mit Messer und Gummibändern ausgestattet ernten wir Brokkoli, Blumenkohl, Sellerie, Fenchel, Petersilie, Karotten, diverse Kohlarten, die wir vorher noch nie gesehen haben, und Brokkolini – eine süße, leckere Brokkoli-Unterart, die in Australien total angesagt ist. Donnerstags geht’s mit Setzlinge pflanzen und Unkraut jäten weiter – was sich sofort als unser körperlicher Tiefpunkt entpuppt. Nach vier Stunden Jäten am Stück tun uns einfach alle Knochen weh. Wir wussten, dass es hart wird – aber nicht so hart. Maximilian ist völlig fertig, Louisa am Rande der Nerven. Abends um sieben liegen wir nach zwei anstrengenden Farmtagen absolut geschafft im Bett. Fun Fact: Die körperliche Belastung ist so krass, dass wir das erste Mal nach fast sechs Monaten Reise richtiges Heimweh spüren. Louisa denkt für einen kurzen Moment sogar über einen Rückflug nach Deutschland und den Start ins Refs nach. So tief sitzen die Zweifel. Bei vierstündigem Jäten hat man eben viel Zeit über diverse Dinge nachzudenken 😁 Am Freitag startet unser Tag erst um 8 Uhr, diesmal auf der Farm direkt neben unserem Wohnhaus. Es geht los mit Eier verpacken, stempeln und die Kartons mit dem Haltbarkeitsdatum beschriften. Danach packen wir in Akkordtempo Gemüseboxen, die im Verlauf der Woche bestellt und übers Wochenende ausgeliefert werden. Am Nachmittag beladen wir die LKWs für die Wochenmärkte – schwere Kisten schleppen inklusive. Louisa bekommt ihr eigenes Outdoor-Gym, wie sie es gerne nennt. Bei den Tätigkeiten hier auf der Farm muss man einfach einen gewissen Humor beibehalten. Feierabend ist dann um 16:30 Uhr. Samstag beginnt der Arbeitstag für Max schon um 5:45 Uhr – er fährt mit auf einen der Märkte. Das Gemüse und die Eier werden am Wochenende nämlich auf den Märkten verkauft. Louisa übernimmt die Nachmittagsschicht auf der Farm. Sie startet im Eierschuppen: Eier auf Risse kontrollieren, sortieren, waschen, trocknen, verpacken, beschriften. Am Nachmittag kommt Max zurück, gemeinsam entladen wir die LKWs – alle vier, die nacheinander von den Märkten zurückkehren. Um 18:30 ist endlich Feierabend. Ein langer Tag neigt sich dem Ende, vor allem für Max. Am Sonntag dann der Rollenwechsel: Louisa fährt mit auf einen der Märkte, Max bleibt auf der Farm. Schichtstart ist für uns beide um 6 Uhr. Es ist spannend, den Markt mal aus der Verkäuferperspektive zu erleben. Zu unseren Aufgaben gehört es dann die Zelte und Tische aufzubauen, Gemüse einladend zu arrangieren und vor allem das Gemüse im Laufe des Vormittags immer wieder aufzufüllen. Wer uns kennt, weiß, dass wir in allen Dingen stets 100% geben und plötzlich stehen wir schon hinter dem Verkaufsstand. Andrei, unser Kollege, erklärt uns direkt das Kassensystem und wir dürfen die Kunden bereits bedienen und abkassieren. Direkt so viel Verantwortung übertragen zu bekommen, fühlt sich gut an. Und das Lob im Nachhinein noch viel mehr.
Nachdem wir die erste Arbeitswoche mit Bravur gemeistert haben, können wir auch sagen, dass es ziemlich cool ist, an allen Prozessen beteiligt sein zu können: vom Pflanzen der Setzlinge über die Ernte, das Instandhalten der Felder bis hin zur Verarbeitung, Verpackung, Auslieferung und dem Verkauf auf dem Markt. Das Highlight ist, dort zu stehen und sagen zu können: Wir haben den Großteil dieses Gemüses selbst geerntet.
Montags und dienstags haben wir frei. Und heute, nach dieser ersten Woche, geht es uns mental und körperlich auch schon besser. Wir haben uns nach langen Gesprächen entschieden, die drei Monate hier durchzuziehen. Es wird sicher nicht leicht – wir werden an unsere Grenzen gehen, vielleicht auch mal weinen vor Erschöpfung. Auch wenn das alles hier in unseren Beiträgen und Bildern immer sehr aufregend und nach Spaß aussieht - diese Herausforderung ist alles andere als "spaßig". Aber wir sind optimistisch, dass wir das schaffen. Vom Farmer bekommen wir ein riesiges Kompliment: Wir seien ein „Super-Couple“ – mit Köpfchen – genau solche Leute brauche seine Farm. Das ehrt uns natürlich sehr und wir sind mächtig stolz auf uns! Eine Sache steht definitiv fest: wir sind dankbar, dass wir diesen Schritt gemeinsam gehen und uns gegenseitig unterstützen, denn sonst würden wir diese Herausforderung vermutlich nicht meistern können. Wir sind eben ein super Team 🧡💪
In dieser Woche sind wir nochmals über uns hinausgewachsen. Wir haben Seiten an uns kennengelernt, die wir vorher nicht kannten. Louisa hat für sich erkannt, wie stark und belastbar sie eigentlich ist. Und wir beide wissen jetzt mehr denn je: Wachstum beginnt dort, wo man die Komfortzone verlässt – und das ist oft alles andere als leicht.
In den nächsten Wochen wird es vermutlich etwas ruhiger hier, weil wir voll in unserem Alltag angekommen sind und in der nächsten Zeit nicht viel neues erleben werden. Jede Arbeitswoche ist ähnlich aufgebaut. Außerdem ist es uns nicht erlaubt während der Arbeit Fotos zu machen - wir haben die Fotos verbotenerweise und heimlich für euch gemacht, damit ihr einen Einblick in unseren Alltag erhaltet. Macht euch also keine Sorgen, wenn ihr mal etwas länger nichts von uns hört. Auf Instagram sind wir weiterhin und mit gleichem Namen (unterwegsunddochzuhause) sehr aktiv. Wir sind ganz bald zurück und berichten weiterhin von unserem Leben auf einer australischen Farm. Das Abenteuer geht weiter 🇦🇺 ♥️